Im Winter auf der Schäreninsel Hanö oder wie man die Zeit in Schweden vergisst…

von 28 Mai 2020Natur
Leuchtturm Schäreninsel Hanö

Sieben Tage waren die Schwedenfans Simone und Oliver Meiske auf der kleinen schwedischen Schäreninsel Hanö. Sie berichten uns von ihren Wintererlebnissen mit der Natur und den Einheimischen. Die Hin- und Rückreise zwischen Travemünde und Trelleborg fuhren sie als Nachtfahrten mit der Nils Holgersson. Oliver erzählt uns, warum man für diesen Inselurlaub gut vorbereitet sein muss und wie er mit einem Erholungsgefühl von vier Wochen Urlaub zurückkam. Lest über die Schwedentage der besonderen Art.

Mehr Entschleunigung geht nicht

Der frische Wind wehte uns um die Nase als wir am zweiten Weihnachtsabend an Deck der Nils Holgersson standen und die Nordermole in Travemünde passierten. Vereinzelt waren Möwenschreie zu hören. Wir beide waren mit unserem Borderterrier, dem Seekadett, ganz allein an Deck und es ging durch die Nacht nach Südschweden. Noch nie waren wir im Winter in Schweden. Und diesmal wollten wir auf die kleine Schäreninsel Hanö reisen: zwei Kilometer lang, einen Kilometer breit mit einer freilebenden Herde Damhirsche und acht Einwohnern.

Doch erst mal ging es an Bord der Schwedenfähre Nils Holgersson in die Panoramabar. Wir freuten uns auf die leckeren Räksmörgås (original schwedische Krabbenbrote) und ein erfrischendes Kaltgetränk. Gestärkt und nach netten Gesprächen mit schwedischen Mitreisenden kuschelten wir uns in die Kojen und schliefen Schweden entgegen. Besser konnte ein Urlaub nicht starten.

Ausgeruht und entspannt erreichten wir mittags den kleinen Hafen Nogersund. Die Sonne lachte, aber ein eisiger Wind wehte durch den Hafen. Als wir im Sommer hier waren, herrschte rege Betriebsamkeit, doch an diesem Wintertag war kein Mensch zu sehen. Wir fuhren mit unserem voll beladenen Pkw direkt vor der Schärenfähre MS Vitaskär. Wir hatten reichlich Gepäck dabei, denn auf der kleinen Schäreninsel gab es im Winter keine Geschäfte oder Restaurants. Zudem musste man einkalkulieren, dass die Fähre bei Sturm nicht fährt, was in diesem Monat schon mehrmals vorkam. Das Auto blieb auf einem Parkplatz im Hafen und wir trugen unsere Taschen an Bord.  Am Horizont grüßte die markante Silhouette Hanös.

Mann steht neben einem Baum am steinigen Ufer der Schäreninsel hanö und schaut auf die Ostsee
Grandiose Aussicht auf der Insel Hanö

Das Haus am Leuchtturm

An Bord trafen wir Bengt, unseren Gastgeber, der gerade vom Einkaufen auf dem Festland kam. Im Hafen winkten unsere Freunde Linda und Lars und bereiteten uns ein herzliches Willkommen auf der Insel. Zu unserem Ferienhaus am Fyrvägen war es nicht weit, aber es ging steil bergauf, weil der Leuchtturm (Hanö Fyr) immerhin auf 60 Meter Höhe steht. Und dann unser vieles Gepäck… Das Motorengeräusch neben mir riss mich aus diesen beunruhigenden Gedanken. Es war Bengt, der mit seinem Quad samt Anhänger vorfuhr und schnell waren seine Einkäufe und unser Gepäck verladen. Am Gästehaus wurden wir von Bengts Ehefrau Majbritt erwartet, die das Haus schon vorgeheizt hatte. Es ist ihr Geburtshaus, wie ich später von ihr erfuhr.

Wir waren angekommen! Totale Ruhe. Nur der Wind und die ferne Brandung waren zu hören. Welle um Welle wurde von den Schärenfelsen an ihrem Lauf gestoppt. Es gab keine Zivilisationsgeräusche auf der autofreien Insel. Wir blickten von oben auf die Ostsee. Die tiefstehende Sonne lud zu einem ersten Spaziergang mit einem unvergesslichen Panoramablick auf den farbintensiven Sonnenuntergang ein. Die Haustür ließen wir unverschlossen… Später strichen die regelmäßigen Lichtstrahlen des Leuchtturms über unser Haus. Das war der Rhythmus auf der kleinen Schäreninsel. Das Leben auf diesem schönen Eiland war geprägt vom Fahrplan der Fähre Vitaskär (im Winter dreimal täglich) und dem Licht des Hanö Fyr, einem der lichtstärksten Leuchttürme an der Ostsee.

weißer Leutturm auf der steinigen Schäreninsel Hanö mit zwei Häusern im Hintergrund
Wegweisender Leuchtturm der Insel Hanö

Das Leben auf einer Insel

Morgens klopfte Linda ans Fenster. Sie hatte frisch aufgebackene Brötchen für uns. Auch das war Hanö, denn wir gehörten als Besucher zur Inselgemeinschaft. Die Nachbarschaftshilfe und die Achtsamkeit werden auf dieser Insel gelebt. „Habt ihr es auch warm?“ fragte Majbritt, als wir sie bei einem Spaziergang trafen.

Hanö bot ein spannendes und intensives Naturerlebnis. In den kommenden Tagen waren wir schon früh auf den Pfaden Hanös unterwegs. Vorbei am Engelska Kyrkogården folgten wir dem farblich markierten Wanderpfad. Es ging über flache Granitflächen, moosbedeckte Steine und durch einen verwunschenen Hainbuchenwald.

Wir entdeckten Riesenfelsblöcke mit Höhlen und Gängen. Die flachen Felsplatten von Vindhalla wurden auch im Winter zu unserem Lieblingsort auf der Insel. Im letzten Sommer hatten wir hier gebadet. Jetzt machten wir hier gerne eine ausgiebige Wanderpause – hinter Felsblöcken und vom Wind geschützt.

Wir erlebten spektakuläre Sonnenauf- und Untergänge. Vom Leuchtturm an der höchsten Stelle der Insel hatten wir einen großartigen Blick über die Weite der Ostsee. Noch nirgendwo hatte ich einen so klaren Sternenhimmel als auf Hanö erlebt. Sterne so nah und klar. Keine Lichtverschmutzung. Freie Sicht ins Universum. Ein Ort zum Träumen.

Wanderpfad mit Schildern Hanöborg im Wald mit Steinen
Unterwegs auf mit Steinen übersäten und felsigen Wanderpfaden

Wandern auf Granitbergen

Auch wenn die Insel mit ca. 6 Kilometer Küstenlinie sehr klein ist (ein Drittel so groß wie Hallig Hooge!) und die farblich ausgewiesenen Wege geografisch kurz erscheinen, war das Wandern auf den mit Steinen übersäten felsigen Pfaden anstrengend und für uns Flachländer „gefühlt“ alpin, denn die Insel besteht aus einem Granitberg. Die Pfadmarkierungen waren nicht immer leicht zu entdecken und umgestürzte Hainbuchen mussten überwunden werden. Dafür war die Begegnung mit den auf der Insel freilebenden Hirschen garantiert und ein großes Abenteuer für unseren Seekadett.

Nachmittags hörten wir die Fähre. Ich ging mit dem Seekadett runter zum Hafen und erwartete die Ankunft.  Der Rhythmus der Insel hatte auch mich erfasst. An der Fähre trafen sich die Einheimischen. Infos wurden ausgetauscht und bei der Gelegenheit der Hausmüll zur zentralen Mülltonne am Fähranleger gebracht. Und dann passierte es: Ich fragte mich welchen Wochentag wir heute hatten? Wir mussten überlegen … Ja, das war das Zeichen der totalen Entschleunigung. Sie hatte uns erfasst! Nach nur wenigen Tagen! Oha, und es war Silvester.

Blick auf die Granitberge in der Ostsee Schärenfelsen auf der Schäreninsel Hanö
Granitberge Hanö

Jahreswechsel auf der Insel

In der Ferne hörten wir beim Jahreswechsel das Feuerwerk auf dem Festland. Doch auf Hanö blieb es ruhig. Wir hörten die Wellen an den Schärenfelsen brechen und das Leuchtfeuer strich über unser Haus… Unser Abschied nahte, aber im nächsten Winter wollen wir wieder auf unsere Lieblingsinsel Hanö reisen.

Petra Pan

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