Neue Ferienziele entdecken in Klaipeda und Umgebung

von 29 Jun 2018Kultur

drei bunte Ferienwohnung
Wisst ihr schon, dass es einen neuen, spannenden Zielhafen im TT-Line-Routennetz gibt? Und natĂŒrlich wollte ich die Hafenstadt
Klaipeda und das Umland sofort entdecken, weil mir das Ferienland Litauen so ungewöhnlich erschien. Mein Mann war erst skeptisch als ich ihm von der Jungfernfahrt im Juni erzĂ€hlte. Doch die großen SanddĂŒnen und verschiedenen Naturparks um Klaipeda herum gelegen, ĂŒberzeugten ihn schnell, mit mir gen Osten zu reisen.

Von Trelleborg ging es samstags frĂŒh morgens auf eine ausfĂŒhrliche Seereise. Zuvor hatten wir die NachtfĂ€hre von Rostock gebucht, die dann weiterfĂ€hrt ohne dass wir unsere Kabine rĂ€umen mussten. Das war unheimlich bequem. Den ganzen Tag ĂŒber hatten wir dann ausgiebig Zeit an Deck der „Tom Sawyer“ den Sonnenschein und die Ostseeluft zu genießen. Abgewechselt vom Bummeln im Bordshop, einem leckeren Kaffee und – was fĂŒr mich gleich die richtige Urlaubsstimmung bringt – entspanntes Lesen in meinem derzeitigen Krimi. Einen Tag lang lesen, wann immer ich will. Herrlich! In der Hafeneinfahrt hupte die FĂ€hre zur BegrĂŒĂŸung und legte um 23:30 Uhr zum allerersten Mal in der Hafenstadt Klaipeda an und wir freuten uns sehr, ein neues StĂŒck Europa zu erkunden.

Der FĂ€hrhafen liegt direkt neben der Stadt und hat ein neues, modernes  Hafenhaus. Auch die Autobahn war nur wenige Minuten entfernt, so dass man auch schnell nach Vilnius in die Hauptstadt oder in die anderen StĂ€dte des Baltikums gelangen kann. Aber wir hatten vor, die Umgebung der Stadt zu erkunden. Innerhalb von 10 Minuten waren wir im Stadtgebiet und in unserem Hotel. Es lag so gĂŒnstig, dass wir unsere Unternehmungen zu Fuß, mit geliehenen FahrrĂ€dern oder mit dem Bus machen konnten. Am nĂ€chsten Morgen erkundeten wir Hand-in-Hand schlendernd die neue Ferienumgebung. Langsam gewöhnten wir uns auch an die litauischen Schriftzeichen auf den Wegweisern. Die vielen Schnörkel an den Buchstaben sind schon ungewöhnlich fĂŒr mein Auge. Je nach Wind und Wetter waren wir in diesen Tagen viel an der OstseekĂŒste unterwegs. Mal nach Norden, mal nach SĂŒden in das UNESCO-Weltkulturerbe Kurische Nehrung. Aber der Reihe nach:

Sandstrand und KiefernwÀlderSandstrand und KiefernwÀlder

Im Nationalpark Kurische Nehrung bietet sich diese einzigartige Landschaft vor dem Kurischen Haff perfekt fĂŒr eine Fahrradtour an. Empfehlenswert ist, den 52 km langen Fahrradweg in Nida zu starten. Er ließ sich angenehm fahren und verbindet fĂŒnf Orte und die besten SehenswĂŒrdigkeiten miteinander. Immer wieder hatten wir die Ostsee im Blick und ich konnte gar nicht genug davon bekommen. Auch Kai war völlig fasziniert von diesem Naturpark mit seinen schönen und oftmals sehr hohen SanddĂŒnen. Einige davon bewegen sich im Laufe eines Jahres, andere DĂŒnen bleiben wo sie sind und sind mittlerweile bepflanzt, so dass sie ihr Aussehen behalten. Neben dem Fahrradfahren könnte man hier auch gut wandern und es gab viele Angebote an Wassersport wie zum Beispiel mit Paddelboot, Kanu und Segelboot.

In Nida (Nidden) waren wir dann nochmal mit etwas mehr Zeit. Es ist ein schönes StĂ€dtchen am Ende der Kurischen Nehrung und dicht an der Grenze zu Russland. Hier gab es viel Wasser und schiefe BĂ€ume dazwischen. Beim Bummeln hindurch entdeckten wir das Sommerhaus des LĂŒbecker NobelpreistrĂ€gers Thomas Mann am Hang gelegen. Er hatte sich in der damaligen KĂŒnstlerkolonie dieses Holzhaus mit Reetdach, blauen FensterlĂ€den und Blick ĂŒber das Haff bauen lassen, das nun ein kleines Museum ist. Und so besuchten wir in Litauen den berĂŒhmten LĂŒbecker Sohn unserer Heimatstadt. Er hat sich wirklich ein besonders schönes Fleckchen fĂŒr seine Sommerfrische ausgesucht. In der Kirche des Ortes finden im Sommer Konzerte statt und sogar deutschsprachige Gottesdienste. Die Bevölkerung ist sehr christlich, was wir an den vielen Kirchen und Kreuzen erkennen konnten.

Das Thomas-Mann-Haus in NidaDas Thomas-Mann-Haus in Nida

Abends tauchten wir gern in die SommeratmosphĂ€re der Stadt ein. Der Treffpunkt der alten Hafenstadt Klaipeda ist der Theaterplatz. Hier steht auch das Wahrzeichen der Stadt: der Brunnen mit der Skulptur „Taravos Anike“ von 1912, die wir aus einem Volkslied als „Ähnchen von Tharau“ kennen und an den Dichter und Sohn der Stadt erinnert. Die Menschen flanierten vorbei am neoklassizistischen Dramatheater und den schönen restaurierten FachwerkhĂ€usern. Auf dem Platz vor dem Theater gab es einen schönen Markt mit einheimischen HĂ€ndlern, die hauptsĂ€chlich Bernstein verkauften. FĂŒnf Minuten zu Fuß entfernt liegt das ehemalige Segelschulschiff „Meridianas“ am Fluss DanĂ©. Besonders gern sind wir durch die liebevoll renovierte Gasse „Friedicho pasazas“ gegangen, die gute Gastronomie bietet. Ganz neu ist eine Brauerei in der Stadt, die ĂŒber 20 leckere Biersorten anbietet.

Segelschiff „Meridianas“ am Ufer der DaneSegelschiff „Meridianas“ am Ufer der Dane

Seitdem Litauen 1990 unabhĂ€ngig wurde, hĂ€lt der starke Wirtschaftsaufschwung an und die Einwohnerzahl betrĂ€gt heute etwa 163.000 Personen. Der Großteil davon gehört der römisch-katholischen Kirche an. Juli und August sind die wĂ€rmsten Monate mit etwa 21°C, in denen auch die wichtigsten Veranstaltungen der Region stattfinden. Dazu gehören das Castle Jazz Festival (im Juni) und das Sea Festival (Ende Juli/August).

Nachdem wir die Stadt erkundet hatten, wollte ich auf dem Bernsteinweg wandeln. Und mein Mann liebt ja alles, wo Natur zu entdecken ist. Es gab die KĂŒste entlang tatsĂ€chlich auf 98 km LĂ€nge einen Weg, an den die schönen braunen Steine auch bis heute noch angespĂŒlt werden. Wir radelten bei strahlender Sonne und ohne Gegenwind noch einmal nach Nida und sein Bernsteinmuseum. Es war hier noch nicht hochsommerlich warm, aber trotzdem schön sonnig. Ich bin fasziniert von der großen Sammlung verarbeiteten Bernsteins. Es gab so viele wunderschöne Verwendungen. Und ich hatte sogar ein ganz kleines StĂŒck Bernstein bei einem meiner langen SpaziergĂ€nge am Ostseestrand gefunden. Ich glaube, das ist das schönste Mitbringsel und auch eine hĂŒbsche Erinnerung an diese zauberhafte OstseekĂŒste. Die Litauer sagen, dass der Bernstein auch fĂŒr die Schönheit und Gesundheit besonders geeignet ist. Das muss ich jedoch ein andermal ausprobieren.

Die Altstadt KaunasDie Altstadt Kaunas

Unser Abstecher in die Hansestadt Kaunas zeigte uns, dass die StĂ€dte an der Ostsee doch alle durch die Hanse seit Jahrhunderten miteinander verbunden sind. Wir liefen durch die Altstadt und entdeckten immer wieder HĂ€user aus Backstein, die uns an LĂŒbeck erinnern. In der Altstadt gibt es die KaufmannshĂ€user, den Rathausplatz, Kloster und Kirche, die uns in die Geschichte abtauchen lassen und uns irgendwie in eine andere Zeit entfĂŒhrten. Zum Schluss unseres Stadttages in Kaunas genossen wir das herrliche Panorama der Stadt, nachdem wir mit der Standseilbahn auf den Aleksotas-HĂŒgel hinauf gefahren sind.

Weitere Ausflugsziele gibt es hier noch viele, denn die litauische Hauptstadt Vilnius ist zum Beispiel von Klaipeda 288 km entfernt. Dann sind auch die Wasserburg Trakai und der umliegende Nationalpark erlebenswert. Litauen hat fĂŒnf Naturparks, die jeweils eigene Schönheiten bieten mit einer GrĂ¶ĂŸe von ĂŒber 155.000 ha. Wer mehr Zeit und Lust auf weiter entfernte Ferienziele haben sollte, dem sei auch die beiden weiteren baltischen LĂ€nder Lettland mit der Hauptstadt Riga und Estland mit Tallinn empfohlen. In Richtung SĂŒd-Westen schließen sich Polen und die Enklave Russlands an, die auch 46 km Kurische Nehrung bietet.

StranddĂŒne Kurische NehrungStranddĂŒne Kurische Nehrung

ZurĂŒck auf der FĂ€hre nach Trelleborg – die frĂŒh am Sonntag ablegte – und dann weiter nach TravemĂŒnde fuhr, stellten wir fest, wie erholt wir waren von dieser Urlaubswoche in Litauen. Diese Tage waren ungewöhnlich und faszinierend. Wir haben eine neue OstseekĂŒste mit Land und Leuten kennengelernt. Dazu viel deutsche Geschichte und den Einblick, wie gut sich dieses kleine EU-Land Litauen kulturell und wirtschaftlich als Touristenziel prĂ€sentiert. In der Kombination der großartigen Natur von KĂŒste und Seenlandschaft zusammen mit den zauberhaften StĂ€dten und ihrem Jahrhunderte langem Erbe lĂ€sst sich eine Woche Ferien mit oder ohne Kinder vielfĂ€ltig gestalten. Als wir ĂŒber die Rampe hinaus aus der FĂ€hre in TravemĂŒnde fuhren, freuten wir uns schon auf das Wiedersehen dieses Schiffes. Als nĂ€chstes steht dann wieder Familienurlaub in SĂŒdschweden auf unserem Fahrplan, denn darauf kann meine Familie gar nicht verzichten.

Petra Pan

4 Kommentare

  • Prius57 sagt:

    Im Jahr 1992 sind wir von Suwalki an der polnisch-litauischen Grenze ĂŒber Kaunas nach Riga (Lettland) gefahren. Neben Lettland haben wir auch Tallinn und die Insel Saaremaa besucht. Da die Versorgung mit bleifreiem Benzin nur in Polen, Lettland und Estland gesichert war, haben wir Litauen ausgelassen. Auch ĂŒber 25 Jahre spĂ€ter ist wieder die „Treibstoffversorgung“ das Ausschlusskriterium.

    Petra Pan (spannender Name) – könntest du noch ergĂ€nzen, wie Litauen mit SchnellladesĂ€ulen ausgestattet ist? Haben die SchnellladesĂ€ulen drei AnschlĂŒsse (CCS, CHAdeMO und Typ 2)? Welche Ladekarten benötigt man in Litauen (ggf. auch in den anderen baltischen Staaten)?

    Kann man nach Mitternacht noch in Klaipeda oder Kaunas das Quartier beziehen? Wie ist das mit der Sicherheit der Autos? Estland hat bereits 1992 an der Grenze zu Lettland neben den ReisepĂ€ssen auch die Autopapiere bei jedem GrenzĂŒbertritt kontrolliert.

    • Petra Pan sagt:

      Hej,

      vielen Dank fĂŒr die hochaktuellen Fragen. TatsĂ€chlich gibt es in Litauen noch nicht sehr viele E-LadesĂ€ulen. Ich weiß in Klaipeda von einer Hotel-E-Steckdose und insgesamt gut 40 Stationen sind im Land verteilt. Die meisten Stationen haben drei AnschlĂŒsse, aber nicht alle. Diese Seite hier gibt eine gute Auskunft darĂŒber: https://www.goingelectric.de/stromtankstellen/Litauen/Kleipeda/
      Je nach Unterkunftsart sind die Check-In-Zeiten mit Sicherheit unterschiedlich und allermeist individuell abstimmbar. Sprechen Sie Ihren Gastgeber darauf an. Die meisten Hotels haben einen 24-Stunden-Service und andere Quartiere richten sich zwischenzeitlich auch auf das spÀte Ankommen der GÀste vom FÀhrschiff ein.
      In der letzten Zeit sind die Grenzkontrollen aufgrund des Schengen-Abkommens innerhalb der baltischen LĂ€nder so gut wie aufgehoben. Lediglich an der polnisch-litauischen Grenze wird noch kontrolliert.

      Viele GrĂŒĂŸe!

      Petra Pan

  • FishWay sagt:

    In der Region am Kurischen Haff befinden sich zahlreiche einzigartige Naturschutzgebiete, die in Listen des nationalen Erbes und des Weltnaturerbes eingetragen sind. HundertjĂ€hrige BĂ€ume, bildhafte Hochmoorgebiete, SanddĂŒnenlandschaften und NistplĂ€tze der seltenen Vögelarten – all das ist in Westlitauen zu besichtigen. Wer mehr das KĂŒstenland erkunden wĂŒnscht, schlagen wir vor, sich gratis interaktives-edukatives Spiel „Frei, lecker, einmalig – auf dem Fischeweg“ zuzuschicken, das den Wanderern viel nĂŒtzlicher Auskunft erteilt und positive Emotionen weckt. Das Spiel können Sie sich gratis zuschicken, indem Sie die Adresse http://www.zuvieskeliu.lt eintippen.

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