VerlÀngerung der Peter Pan: 11 Fragen an unseren Projektleiter

von 03 Apr 2018Schiff & Meer

Das erste Ausdocken der verlÀngerten Peter Pan. Foto: M. Derfel

Wer kennt sich am besten mit den Umbauarbeiten unserer Peter Pan aus? NatĂŒrlich der Projektleiter. Jan Seemann ist seit 2004 Leiter der Inspektion bei TT-Line und mit den verschieden großen Ausbau- und Umbauarbeiten unserer FĂ€hre seit 2017 betraut. Ich habe ihn getroffen und zu der spannenden Umbauzeit befragt, aber lest selbst:

1. Herr Seemann, Sie kennen die neue Peter Pan besser als jeder andere. Wie eng ist eigentlich der Zeitplan einer solch umfassenden Aktion und warum verzögert sich die RĂŒckkehr?
Der Zeitplan ist eine große Herausforderung. Es mĂŒssen viele verschiedene Gewerke koordiniert werden, die jedes fĂŒr sich auf den Arbeitsfortschritt der anderen angewiesen sind. So muss z.B. darauf geachtet werden, dass der Stahlbau in einem Bereich abgeschlossen ist, bevor die Farbarbeiten beginnen. Wenn in einem kleinen Teil dieser Kette eine Verzögerung auftritt, können die Auswirkungen gewaltig sein, da sich eine ganze Reihe anderer Arbeiten dadurch verschiebt. Von außen sieht die Peter Pan aktuell so gut wie fertig aus – sie schwimmt sogar bereits. Die Feinarbeiten im Inneren nehmen allerdings mehr Zeit in Anspruch als erwartet, so dass wir mit der RĂŒckkehr Ende April planen.

2. Kann man einzelne Phasen des Projektes proben oder simulieren?
Der Schiffbau ist eine Manufaktur, das Projekt ist einzigartig. Daher ist alles live und muss ohne Generalprobe auskommen. Die Schiffbauer und Projektleiter können natĂŒrlich aus Erfahrung abschĂ€tzen, wie lang welche Arbeit in etwa in Anspruch nehmen wird. Aber in der RealitĂ€t gibt es natĂŒrlich auch immer Überraschungen.

3. Wer kann Schiffe in dieser GrĂ¶ĂŸenordnung zerschneiden? Gibt es viele Profis die das können und mĂŒssen die von weither anreisen? Wie zerschneidet man die verschiedenen Materialien einer FĂ€hre?
Ein Stahlschiff zerschneiden kann grundsĂ€tzlich jeder, der mit einem Schneidbrenner umgehen kann. Die große technische Herausforderung ist jedoch, die Schiffsstruktur an den beiden entstehenden Enden derart abzustĂŒtzen, dass beim Auseinanderziehen der HĂ€lften keine Verformungen auftreten. Andernfalls wĂŒrde das MittelstĂŒck nicht mehr passen. Das millimetergenaue AbstĂŒtzen und Verschieben der immerhin rund 7.500 Tonnen pro HĂ€lfte hat eine Spezialfirma aus Duisburg ĂŒbernommen. Vor dem Verschieben der HĂ€lften mĂŒssen natĂŒrlich alle Kabel und Rohrleitungen getrennt werden. Das geht StĂŒck fĂŒr StĂŒck und alles von Hand.

AbstĂŒtzen durch Hydraulikpressen. Foto: Scheer

4. Gab es verschiedene Möglichkeiten, eine FÀhre wie Peter Pan zu zerschneiden? Wonach wurde entschieden, an welcher Stelle die FÀhre zerteilt werden soll?
GrundsĂ€tzlich steht man vor der Entscheidung, was erweitert werden soll: die Lademeter, die Passagieranzahl oder beides. Wir haben uns fĂŒr eine reine Erweiterung der LadekapazitĂ€ten entschieden. Ein Schiff lĂ€sst sich am einfachsten im Bereich des sogenannten parallelen Mittelschiffs verlĂ€ngern, also dort, wo die Schiffskontur sich nicht verjĂŒngt sondern gleichbleibend ist. Dieser Bereich endet bei Peter Pan aber kurz hinter dem Decksaufbau mit den Passagierkabinen. Um den Passagierbereich nicht beschĂ€digen zu mĂŒssen, wurde der Schnitt erst 30m vor dem Ende des Aufbaus nach oben gefĂŒhrt und dann unterhalb des Aufbaus nach hinten. Dadurch entsteht eine Art „Z-Schnitt“. Der abgeschnittene Teil wurde dann unter dem Aufbau herausgezogen, wĂ€hrend dieser 700 Tonnen schwere Überhang durch eine StĂŒtzkonstruktion gehalten und mittels Lasertechnik kontrolliert wurde.

5. Was war Ihre grĂ¶ĂŸte Herausforderung wĂ€hrend dieses Projektes?
Das Ausdocken des Achterschiffes nach der Trennung war ein sehr spannender Augenblick. Um die SchwimmfĂ€higkeit des halben Schiffes herzustellen, wurden zusĂ€tzliche Schwimmkörper am Heck angebracht. Obwohl natĂŒrlich alles berechnet war, verfolgten wir erwartungsvoll das Ausdocken und ob das Hinterschiff die richtige Schwimmlage einnehmen wĂŒrde. Am Ende hat alles reibungslos funktioniert.

Heck mit Schwimmkörpern. Foto: Scheer

6. Gibt es eine kuriose Begebenheit wĂ€hrend der Projektzeit? Was ist fĂŒr Sie persönlich das Besondere an diesem Vorhaben?
Obwohl es uns durch die besondere SchnittfĂŒhrung gelungen ist, die Passagierdecks unangetastet zu lassen, gab es einen Bereich, der leiden musste. Die AußenwĂ€nde der Crewmesse waren beim alten Schiff zugleich die WĂ€nde der AbgastĂŒrme. Da diese bei der VerlĂ€ngerung nach hinten gerĂŒckt sind, hat die Crewmesse in der Umbauphase ihre AußenwĂ€nde eingebĂŒĂŸt. Das war schon ein kurioser Anblick, als neben dem Offizierstisch ein großes Loch direkt nach draußen ragte. Inzwischen ist alles wieder hergestellt. Nur die Pflanzen haben die Open-Air-Phase leider nicht ĂŒberlebt.

7. Wie konnten Sie bei den Dimensionen dieses Projektes den Überblick behalten? Verraten Sie uns Ihren persönlichen Tipp.
Man muss stĂ€ndig an den Themen dran bleiben, das GesprĂ€ch mit den Verantwortlichen suchen und sich den Status ungeschönt auf den Tisch legen lassen. Hier hilft mir auch immer das GesprĂ€ch mit der Basis, d.h. den Schweißern, den Malern, den Isolierern, den Rohrbauern, den Elektrikern usw. Nur so kann man Herausforderungen rechtzeitig erkennen und einlenken. Daher mein Tipp: immer Tacheles reden und ein Ohr fĂŒr die Basis haben.

8. Wie kann man ein Schiff wie die Peter Pan (mit einem Gewicht von 15.200 Tonnen) fixieren, damit es beim Zerschneiden und Verschweißen nicht ins Rutschen kommt?
Dass das Schiff nicht verrutscht, erledigt zum GlĂŒck die Schwerkraft. Vor dem Eindocken werden die sogenannten Dockpallen in sehr kurzen AbstĂ€nden dort platziert, wo spĂ€ter der Kiel liegt. Dann wird das Schiff ins Dock gezogen, genau platziert und dann auf den Pallen abgesetzt. Der Trick bei der VerlĂ€ngerung war, dass das Hinterschiff auf Gleitschienen abgesetzt wurde. Mithilfe mĂ€chtiger Hydraulikpressen konnte das Hinterschiff nach dem Abtrennen auf den Schienen einfach nach hinten gezogen werden. Damit der herĂŒberragende Teil des Passagierdecks nicht herunterhĂ€ngt, wurde dieser mit seitlichen StĂŒtzen auf dem Dock gesichert.

9. Wie viele Menschen arbeiteten an diesem Projekt damit die Peter Pan verlÀngert werden konnte? Wie lassen sich diese Divisionen koordinieren?
Mit allen Gewerken waren bis zu 850 Leute teilweise gleichzeitig an Bord im Einsatz. Dabei werden die Aufgaben von oben nach unten verteilt, angefangen von der Projektleitung, die die Aufgaben an die einzelnen Gewerke vergibt und diese ĂŒber Meister und Vorarbeiter wiederum an die Arbeitstrupps. Die Gewerke stimmen sich auch untereinander ab, damit die parallel verlaufenden Arbeiten möglichst reibungslos ausgefĂŒhrt werden können. Nur mit einer guten Kommunikation in beide Richtungen lĂ€sst sich dieses Orchester dirigieren.

Ausdocken des Hecks im Zeitraffer. Video: Maximusfilm

10. Welche Technik hat Ihnen besonders geholfen?
Das hydraulische Gleitschienensystem zum Bewegen des Hinterschiffs hat dieses Projekt sozusagen erst möglich gemacht. Denn insbesondere beim Einpassen des Mittelteils und dem AnfĂŒgen des Hinterschiffs ist eine besondere PrĂ€zision erforderlich. Das Ausrichten der einzelnen Teile hat zwar einige Zeit in Anspruch genommen, hat mit dem System jedoch einwandfrei funktioniert!

Die neue „Nase“. Foto: M. Derfel

11. Eine letzte Frage brennt mir besonders auf der Seele – Warum hat man die „Nase“ der Peter Pan gekĂŒrzt?
(lacht) Ich gebe zu, dass der Anblick fĂŒr viele etwas speziell ist, allerdings war das KĂŒrzen der sogenannten Back notwendig, um die Sicht von der BrĂŒcke beim Manövrieren des verlĂ€ngerten Schiffes in den HĂ€fen, in denen wenig Manövrierraum zur VerfĂŒgung steht, zu verbessern. Ganz nach dem Motto: Sicherheit vor Schönheit.

Vielen Dank, lieber Herr Seemann, fĂŒr den gedanklichen Ausflug mit Ihnen auf die Werft. Wir können es kaum erwarten, dass die Peter Pan zurĂŒckkommt!

Petra Pan

4 Kommentare

  • Hartmut Törber sagt:

    Ist ein Super Schiff geworden. Folgen die anderen (Nils Holgersson, Robin Hood, Nils Dacke und Huckleberry Finn) auch?

    • Petra Pan sagt:

      Hej Hartmut,

      vielen Dank, das hören wir doch gerne!

      Derzeitig ist ein so großer Umbau fĂŒr unsere anderen Schiffe nicht geplant. Auf unserer Nils Dacke allerdings wird gerade der Cafeteria-Bereich komplett modernisiert. Die Robin Hood wird in KĂŒrze folgen 😉

      Wir werden Euch auf dem Laufenden halten!

      Kram, vi ses!
      Petra Pan

  • Magnus sagt:

    Was ist los? Warum kommt sie nicht in Betrieb? Sie wird die ganze Zeit im Stundenplan verlegt werden. Wir vermissen sie in Trelleborg, wann kommt sie zurĂŒck?

    • Petra Pan sagt:

      Hej Magnus,

      ich vermisse Peter Pan auch! Derzeitig sind leider unerwartete Probleme mit der Elektronik an Bord aufgetreten. Sind wird aber noch Ende diesen Monats zurĂŒck erwartet 😉

      Kram, vi ses!
      Petra Pan

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