Mit dem Auto entlang Schwedens Westküste

von 19 Okt 2017Insidertipps

Normalerweise fahren wir in den Herbstferien immer nach Schweden. Aber dieses Mal sind wir zuhause geblieben. Die Kleine wollte ihr „Seepferdchen“ machen und Mama gab die geduldige Schwimmlehrerin. Aber als Schweden-Fan habe ich natürlich ein bisschen Reisefieber und denke an unseren letzten Urlaub. Obwohl der noch gar nicht lange zurückliegt. Ende der Sommerferien haben wir uns für TT-Line aufgemacht, die neue Rundreise entlang Schwedens Westküste zu testen. Neun Tage lang von Stadt zu Stadt mit dem eigenen Auto – ein super-abwechslungsreicher Roadtrip. Vielleicht lasst ihr Euch für Eure Urlaubsplanung inspirieren!?

Früher Vogel
Lübeck, der Wecker klingelt samstagmorgens um sechs. Anstrengend, gerade in den Ferien so früh aufzustehen. Aber ich kenne meine Truppe: Bevor alle verköstigt, angezogen und abreisebereit sind, geht einige Zeit ins Land, und die Fähre in Travemünde legt um 09:30h ab.

Später an Bord sind die Kinder längst hellwach und amüsieren sich prächtig. Mein Göttergatte Kai hingegen trinkt einen Kaffee nach dem anderen und zieht sich in unsere Kabine zurück – sei ihm gegönnt, er hatte viel um die Ohren die letzten Tage. Die entspannte Fährüberfahrt wird ihm gut tun. Ich genieße inzwischen die Brise an der Reling, Vorfreude macht sich breit: Bye-bye Deutschland;  Schwedenurlaub, wir kommen!

Vom Ankunftshafen Trelleborg ist es nur ein Katzensprung bis Malmö. Kai sitzt – immer noch koffeingeschwängert – kerzengerade im Beifahrersitz und schmiedet übersprudelnd Pläne. Seine Kapitelüberschriften für unser Reisetagebuch:

  • Malmö und Kopenhagen – Kunst und Karussells
  • Helsingborg – eine Zeitreise in die Vergangenheit
  • Göteborg – Schlemmen bis zum Umfallen
  • Lund – Entspanntes Finale

Einverstanden!


Immer wieder Malmö – und ein Ausflug nach Kopenhagen
Wie ihr wisst, liebe ich Malmö. In diesem Jahr war ich mit den Blogger-Kollegen da und habe ausführlich über die Stadt am Öresund berichtet. Aber lasst mich Euch noch Extra-Tipps für Unternehmungen mit Kindern auf den Weg geben: Am Sonntag steht ein Besuch im Moderna Museet  für moderne und zeitgenössische Kunst auf dem Programm. Wir machen bei einem Familienworkshop mit. Mir geht das Herz auf: Von den Ausstellungen inspiriert erschaffen wir als Künstler-Kollektiv unser eigenes Meisterwerk. Das Bild hat übrigens – selbstverständlich gerahmt – einen Ehrenplatz im Wohnzimmer bekommen.

Die Zugfahrt von Malmö nach Kopenhagen dauert knapp 40 Minuten – ideal also für einen Tagesausflug in die dänische Metropole am Montag. Und die Fahrt über die Öresundbrücke ist spektakulär: Wir „fliegen“ in Kirchturm-Höhe übers Wasser, blicken hinunter auf Frachtschiffe und Offshore-Windparks. Unser Ziel: Der weltbekannte Vergnügungs- und Erholungspark Tivoli. Dort angekommen, gehen nicht nur unseren Sprösslingen förmlich die Augen über. Buntes Treiben überall: Fahrgeschäfte, Kabaretts, Pantomimentheater, Restaurants in Hülle und Fülle. Das Gute: Von fast jedem Fahrgeschäft gibt es eine Miniversion, die auch für Kinder geeignet ist. Das Tivoli ist neben all der Action aber auch eines: eine wunderschön angelegte Parkanlage, die dem Namen Erholungspark alle Ehre macht. Gelungener Ausklang unseres Vergnügungstrips: die Lichtshow bei Einbruch der Dunkelheit, die den Park farbenfroh erstrahlen lässt. Das muss ich neidlos anerkennen – die Dänen haben mit ihrem Tivoli Maßstäbe gesetzt.


Helsingborg: Mit Meeresbrise in die Vergangenheit
Nach der Action im Tivoli haben wir selig und tief geschlafen und machen uns am Dienstag auf nach Helsingborg. Wir haben keine Eile, nur etwa 65 km trennen uns von der Hafenstadt, nach der Ankunft bleibt noch viel vom Tag. Einmal angekommen, fährt Kai direkt wieder weg – wieder nach Dänemark. Nein, kein Ehekrach. Aber hier, an der schmalsten Stelle des Öresunds sind es nur vier Kilometer per Fähre nach Helsingør auf der dänischen Insel Seeland. Kai ist Shakespeare-Liebhaber und muss sich Schloss Kronborg anschauen. Die Festung, UNESCO-Welterbe, ist auch als „Hamlet-Schloss“ bekannt. Die Kinder haben keine Lust auf Drama. Ok. Nicht so schlimm, ich war schon mal auf Kronborg Slot. Und so einen Ausflug alleine gönne ich Kai.

Helsingborg hat, genauso wie Malmö, wunderschöne Strände zu bieten, die man bequem zu Fuß erreicht. Die Sonne strahlt, nach einem Hafenspaziergang versuchen wir uns im Drachensteigen. Ohne angeben zu wollen: Wir machen neben den Schweden eine ziemlich gute Figur. Als Lübecker sind wir schließlich auch Küstenkinder. Ein Leichtes für die Lütten, mich zu überzeugen, das erste Souvenir zu kaufen: Ein Drachen in Form von Nils Holgersson. So gleitet Nils auf seiner Gans hoch über Strand und Wasser. Die frische Luft macht glücklich und: hungrig! Mit wundervollem Blick auf das geschäftige Treiben und exzellentem (!) Fisch stärken wir uns in einem der Hafenrestaurants – und dann geht’s ab in die Federn.

Auch am Mittwoch: Strahlende Sonne! Perfektes Wetter für das Freilichtmuseum Fredriksdal im gleichnamigen Stadtteil. Wir tauchen ein in Schwedens Historie: Das Herrenhaus der Museumsgründer führt uns zurück in ins 18. Jahrhundert. Die Kinder spielen begeistert Graf und Gräfin. Im Park wurden historische Höfe, Scheunen und Mühlen aus Südschweden zusammengetragen, einer der Höfe wird noch heute nach historischem Vorbild bewirtschaftet. Geschichte zum Anfassen! Sogar ganze Straßenzüge aus der Helsingborger Altstadt gibt es zu bestaunen. Wir finden uns in eine Zeit enger Kopfsteinpflaster-Gassen, uriger Ladenlokale und traditioneller Werkstätten zurückversetzt.

Zu Fuß spazieren wir zurück in die City. Noch sind wir nicht wieder in der Gegenwart angekommen: Zum Abendessen gibt es noch einen Zwischenstopp in den 1950er-Jahren. Und zwar im Diner Ebbas Fik. Amerikanisch-schwedische Crossover-Küche – inklusive 40 verschiedener Sorten Kuchen und Gebäck, handgemacht von Eigentümerin Ebba und ihren Kollegen. Satt von schwedischer Geschichte und Burgern plumpsen wir in die Betten und schlafen früh. Morgen geht es noch höher in den Norden: Göteborg, here we come!


Göteborg: Anbetungswürdiger Fisch und steinerne Inseln
Die gut zwei Stunden nach Göteborg am Donnerstagmorgen sitze ich am Steuer. Dafür habe ich mit Kai einen Deal: Am Nachmittag bekomme ich „frei“.

Aber erstmal geht es los zum gemeinsamen Mittagessen in die Stora Saluhallen am Kungstorget. Die historische Markthalle bietet alles, was das Foodie-Herz begehrt: Von Gourmetständen bis zu Hausmannskost. Mein Tipp: der günstige Mittagstisch. Das Ambiente ist sowieso unbezahlbar. Und dann heißt es: „Alleine-Zeit“ für mich! Nachmittagsprogramm für den Rest der Familie: das Universeum. Im Wissenschaftsmuseum gibt es jede Menge Mitmach-Experimente für Groß und Klein. Also ab mit den Kindern in Regenwald, Weltraum, Wildnis und Weltmeere!

Ich dagegen schlendere abseits der ausgetretenen Pfade los. Mein Ziel: Haga, der älteste Stadtteil Göteborgs. Gepflasterte Straßen und malerische bunte Holzhäuser prägen das ehemalige Arbeiterviertel. Erst mal Fika! Mit Glück ergattere ich einen der begehrten Plätze im legendären Café Husaren. Unter Kronleuchtern und Stuck versuche ich mich an einem Exemplar der größten Zimtschnecken Göteborgs (ich vermute eher, der größten der Welt!).

Mehr als gestärkt lasse ich mich im Anschluss in den Galerien und Geschäften von Kunst, Mode, Antiquitäten und Design inspirieren. Nachdem ich in der Haga Trätoffelfabrik Schwedenclogs erstanden habe, muss ich schon zurück zum Treffpunkt fürs Abendessen: zur Feskekörka, der Fischkirche. Angebetet wird der Fisch hier zwar nicht, aber die Auktionshalle von 1874 ähnelt einer gotischen Kirche. Wir essen in einem der kleinen Restaurants zu Abend. Superlecker! Frischer als in der Stadt mit dem größten Überseehafen Schwedens, wo zwischen Kattegat und Göta älv das Wasser immer in der Nähe ist, kann man alles Gute aus dem Meer wohl nicht genießen. Kein Wunder, dass die westschwedische Metropole ein favorisiertes Ziel von Gourmets ist!

Freitag. In Göteborg kann man den Stadturlaub im Nu zum Natururlaub machen – den Schärengärten sei Dank. Für unseren Tagesausflug auf die felsigen Inseln fahren wir mit der Tram 11 bis Saltholmen und nehmen die Fähre auf die Insel Brännö. Die Überfahrt ist schon ein Erlebnis: Die Seeluft auf dem Kattegat weht uns um die Nase, bunte Holzhäuschen ziehen vorbei – so fühlt sich Küste an. Und dann sind wir reif für die Insel. Wir erkunden Wälder, Wiesen, Granitklippen und kleine Buchten; schlendern durch den Ortskern mit seinen Häuschen aus dem 18. und 19. Jahrhundert; statten dem Heimatmuseum einen Besuch ab. Zurück im Hotel – wohlig-müde von frischer Luft und der Bewegung – steht uns unsere letzte Nacht in Göteborg bevor. Morgen geht es nach Lund.


Lund: Lebewohl Schweden
Heute, am Samstag, lassen wir uns Zeit. Kein Freizeitstress! Nach dem Frühstück schaffen wir es von Göteborg nach Lund planmäßig in knapp drei Stunden. Angekommen, wollen wir den Urlaub ruhig ausklingen lassen. Die entspannte, malerische Studentenstadt eignet sich perfekt dafür. Ich habe Euch in meinem letzten Blogbeitrag ja schon von meinem Geburtstagsgeschenk, einem Kurztrip nach Lund mit meinem Mann, erzählt. Wir machen keine Pläne, sondern lassen uns bei einem Spaziergang durch den mittelalterlichen Stadtkern treiben und laden die Energiereserven noch mal so richtig auf. Denn morgen geht es schon früh von Trelleborg per Fähre zurück nach Travemünde. Also: Ein wenig Shopping hier, eine Zimtschnecke da und – das haben wir den Kindern versprochen: Köttbullar essen. Es sei ihnen gegönnt. Nach dem ganzen Fisch der letzten Tage 😉 Sonntags geht es los zum Fähranleger in Trelleborg: auf Wiedersehen, Schweden!

Mein Fazit: Soviel in so kurzer Zeit zu erleben – wirklich inspirierend! Zurück in Lübeck und noch voller Eindrücke sind Kai und ich uns einig: Das machen wir wieder. Vielleicht auch mal „allein zu zweit“ 🙂

Petra Pan

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