Meine Naturhighlights in SĂŒdschweden

von 07 Aug 2017Natur

Ich bin Naturliebhaberin. Ziemlich offensichtlich – so oft, wie ich hier in meinem Blog ĂŒber den Abwechslungsreichtum der schwedischen Landschaft schwĂ€rme. Zum Beispiel in meinem Artikel ĂŒber SĂŒdschwedens Seen. Aber ich habe halt auch einfach Recht! Schwedens Natur, das sind KĂŒstenregionen, SandstrĂ€nde, SchĂ€reninseln, verwunschene WĂ€lder, einsame Weiten, wilde WasserlĂ€ufe, Fjorde, Gebirge und glasklar-glitzernde Seen. Die Schweden lieben Ihre Natur. Das jahrhundertealte „AllemansrĂ€tt“ (deutsch: Jedermannsrecht)  garantiert jedem Menschen, seine Zeit in der Natur zu verbringen und das Zelt aufzuschlagen. Entspannung in der Natur ist quasi Grundrecht! Im Schwedischen gibt es sogar ein eigenes Wort fĂŒr ein „idyllisches PlĂ€tzchen “ oder einen „Lieblingsplatz“ – SmultronstĂ€lle. Heute versuche ich mal, meine LieblingsplĂ€tze in SĂŒdschweden fĂŒr Euch zusammenzustellen – auch wenn die Wahl da nicht leichtfĂ€llt…


Der SkÄneleden: hier gehtŽs lang zu SkÄnes schönster Natur
SĂŒdschweden und Natur: da kommt man am SkĂ„neleden nicht vorbei. Ein einzigartiges Netz aus Fernwanderwegen, das die ganze Region SkĂ„ne (deutsch: Schonen) durchzieht. Ganz nach Geschmack kann man sich Touren mit individueller Schwierigkeit und Dauer zusammenstellen. FĂŒnf unabhĂ€ngige, aber kombinierbare Varianten, unterteilt in 89 (!) Tagesetappen unterschiedlicher LĂ€nge. Insgesamt mehr als 1000 Kilometer Wanderlust, die einen durch die schönsten Ecken fĂŒhren: Nationalparks, Naturreservate, WĂ€lder, Seen, die KĂŒsten. Ich war vor Jahren das letzte Mal auf dem SkĂ„neleden unterwegs. Mit meinem Mann bin ich die letzte Etappe des Nord till sydleden gewandert.  Sie beginnt in Torup und endet in Trelleborg, dem An- und Abfahrtshafen von TT-Line. Wir haben die 29 Kilometer damals dazu genutzt, zum Schluss des Urlaubs noch einmal richtig zur Ruhe zu kommen, um dann mit den Wanderschuhen an den FĂŒĂŸen auf der FĂ€hre die Heimreise anzutreten. Auf dem Weg dahin: BuchenwĂ€lder, hĂŒgelige Landschaften und Zeugen der Eiszeit – die Erhebung Ullbergskroken und kleine Teiche, wo Gletscher einst Dellen in die Landschaft drĂŒckten. FĂŒr unseren nĂ€chsten lĂ€ngeren Trip zu zweit wollen mein Mann und ich aber mal richtig ausgiebig auf Wanderung gehen – am besten mit Zelt und Schlafsack. 89 Tage werden wir wohl nicht dort verbringen, aber ich habe schon mal den Teilweg 1 des SkĂ„neledens ins Auge gefasst. Der Kust til kustleden verbindet auf 370 Kilometern Ost- und WestkĂŒste. 


Nationalparks: Blumenmeere, UrwÀlder und ein steinernes Haupt
In Schweden gibt es 29 Nationalparks. Man möchte meinen, ganz Schweden ist ein einziger Nationalpark. Alle habe ich noch nicht besucht. Aber hier habe ich fĂŒr Euch schon einmal meine Top drei in SĂŒdschweden zusammengestellt.

Das Besondere am Dalby Söderskog-Nationalpark: seine Vegetation ist normalerweise in viel sĂŒdlicheren Gefilden anzutreffen. Ich war schon hĂ€ufig da und beim Wandeln unter Eschen, Ulmen, LĂ€rchen und Eichen schlĂ€gt mein Herz speziell im FrĂŒhjahr höher. Ein ĂŒber und ĂŒber mit Buschwindröschen, Butterblumen und Goldstern bedeckter Waldboden sorgt fĂŒr ein farbenprĂ€chtiges Blumenmeer unter dem BlĂ€tterrauschen!

Echte Wildnis haben wir im Nationalpark SöderĂ„sen erlebt. Die BuchenwĂ€lder der zerklĂŒfteten, unzugĂ€nglichen HĂŒgellandschaft haben Urwaldcharakter: ein Grund, warum hier seltene KĂ€fer- und Vogelarten ĂŒberleben und so ein einzigartiges Biotop bewahrt bleibt. Feldbegrenzungen und SteinwĂ€lle zeugen von menschlicher Nutzung, die bis in die Bronze- und Eisenzeit zurĂŒckreicht. Auf den Wanderwegen bekommt man einen Eindruck von der Besonderheit dieser verwunschenen Region, in der die Zeit stillzustehen scheint. Ein lehrreicher Ausflug in Natur und Geschichte, der fĂŒr unsere Kinder genauso spannend war wie fĂŒr uns.

Namensgeber fĂŒr den Stenshuvud-Nationalpark an der OstseekĂŒste ist der gleichnamige Berg, der sich fast 100 Meter ĂŒber das Meer erhebt. Ein einzigartiger Blick ĂŒber die Ostsee mit ihren SandstrĂ€nden! Im milden Seeklima des Hainbuchenwalds um das „steinerne Haupt“ gedeihen zarte Pflanzen. Mein Favorit sind die Orchideen und Anemonen. Und es kann gut sein, dass Euch ein Reh, Hase oder Dachs begegnet. Das war fĂŒr unsere Kinder natĂŒrlich ein Highlight. Der Stenshuvud ist auch ein Paradies fĂŒr Vögel, besonders verzaubernd (und romantisch!) ist der Gesang der Nachtigall. Auf unserer Wanderung haben wir uns auch einfach mal nur ins Moos gelegt und den GerĂ€uschen des Waldes gelauscht. Zum Schluss dann: Badespaß am Strand. So kommen auch Kinder auf den Geschmack, was Wandern angeht. Versprochen!


Schroffe Schönheit: Kullaberg

Nun folgt mir bitte einmal komplett in die andere Richtung: von Stenshuvud an der OstseekĂŒste an die Ă€ußerste WestkĂŒste, in das Naturreservat Kullaberg. Diese Landschaft wĂŒrde man so weit im SĂŒden Schwedens eigentlich gar nicht erwarten: die felsig, schroff-wilde Halbinsel am Öresund ist geprĂ€gt durch rauschende WĂ€lder, eine faszinierende Unterwasserwelt und steile Felsformation, die teilweise senkrecht ins Meer abfallen. Das Naturreservat ist fĂŒr Tageswanderungen geradezu ideal, steile Wege fĂŒhren durch die FelshĂ€nge direkt zu Badebuchten und KiesstrĂ€nden. Wem der Sinn nach Action steht, hat die Qual der Wahl. Wir haben uns zum Beispiel fĂŒr eine Walsafari entschieden. Ja! Das gibt es! Neben der Begegnung mit dem delfin-Ă€hnlichen Schweinswal bot die Tour entlang Schwedens wohl dramatischster KĂŒstenlinie einen unbezahlbaren Blick auf verwunschene Buchten, mĂ€chtige Klippen und faszinierende Grotten. Besonders toll fĂŒr unsere Kinder war die Entdeckungstour durch eben diese sagenumwobenen Grotten. Ein richtiges kleines Höhlen-Abenteuer! Das Allround-Paket fĂŒr Nervenkitzel-Liebhaber wie meinen Mann: Coasteering. Die Tour inklusive Schnorcheln, Klettern, Abseilen, Klippenspringen und anspruchsvoller Wanderung entlang der KĂŒste erforderte selbst ihm einiges ab, das musste er zugeben. Begeistert war er trotzdem – oder gerade deshalb 🙂


Auf, in und unter Wasser in Östergötland
Wassersport in Schweden. Was soll ich sagen, der Schwede kommt quasi mit Paddel in der Hand auf die Welt – bei dem Reichtum an Wasser: neben der KĂŒste prĂ€gen im Landesinneren Seen, FlĂŒsse und Fjorde die Landschaft. Eine der reizvollsten Regionen in dieser Hinsicht: Östergötland.

Wahrzeichen ist natĂŒrlich der VĂ€ttern, der zweitgrĂ¶ĂŸte See Schwedens. Glasklares Wasser und kilometerlange StrĂ€nde ermöglichen „schlichtes“ Baden, aber auch TauchgĂ€nge, Kajak-, Kanu- und Segeltouren. Meine Empfehlung: Sightseeing zu Wasser auf dem Kinda Kanal. Er ist sozusagen der kleine Bruder des Göta-Kanals und weniger touristisch. Der 80 Kilometer lange Wasserweg verbindet die Seen Äsunden und Roxen. Dabei passiert er 15 Schleusen, fĂŒnf Seen und historische SehenswĂŒrdigkeiten wie Schlösser, Kirchen und Burgen. Die OstkĂŒste Östergötlands hat mich durch ihren SchĂ€rengarten verzaubert. Eigentlich durch ihre SchĂ€rengĂ€rten: Gryt, St. Anna und Arkösund. In KĂŒstennĂ€he sind die Inseln idyllisch-grĂŒn, begibt man sich weiter raus auf die See herrschen felsig-karge Eilande vor. StrĂ€nde, Badefelsen und NaturhĂ€fen sind wie geschaffen fĂŒr Insel-Hopping! Wie wĂ€re es mit einer Meereskajaktour zwischen Gryt und Arkosund oder einer Paddeltor (schöne GrĂŒĂŸe an die Seehunde und Seeadler von mir!)? Ich kann Euch beides nur wĂ€rmstens ans Herz legen!

Eigentlich bin ich noch lange nicht am Ende. Es gibt ja auch noch die beeindruckenden Kalksteinformationen auf Gotland, die Halbinsel GĂ€tno GĂ„rd, die Pilgerwege in SmĂ„land, die SandstrĂ€nde von Halland, die Weinberge in SkĂ„ne…. Aber ich muss mir ja auch noch ein bisschen etwas aufbewahren, um Euch bei der Stange zu halten 😉

Petra Pan

 

 

 


Bildnachweise: ©Mickael Tannus ©Johan Hammar ©Frederik Johs  

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