Bayern, Malmö und Super-Zlatan

von 13 Jun 2016Kultur
WM-Qualifikation - Deutschland - Schweden

Mein bolzbegeisterter Sohn Nils hat eine Fußball-Reise durch Südschweden für uns ausgetüftelt – auf den Spuren legendärer und brandaktueller Superstars. Nach Fritz Walter und Uwe Seeler in Teil 1 soll es im zweiten Reiseteil zu Zlatan Ibrahimovic gehen, dem Ballzauberer aus Malmö.

So langsam fange auch ich Fußball-Feuer und arbeite mich weiter durch Nils’ Reisepläne, die uns nach Bjärred an der Ostsee geführt hatten, ins Mannschaftsquartier des deutschen WM-Kaders von 1958: Aus dem 10.000-Seelen Städtchen, wo die frisch entthronten 54er-Helden einst ihre Wunden leckten, stammt die vielleicht größte schwedische Fußball-Legende: National-Idol Patrick Andersson, der unter anderem für Gladbach und Barcelona spielte und mit dem FC Bayern in der Saison 2000/01 das Triple aus Meisterschaft, Pokal und Champions League gewann. Heute arbeitet er als Sportchef bei MalmöFF und ist damit so etwas wie das Pendant zu Matthias Sammer bei den Bayern. Überhaupt sind die Ähnlichkeiten frappierend. Beide Star-Vereine liegen tief im Süden ihres Landes, beide sind Rekordmeister und Rekordpokalsieger, beide sind derzeit Meister der ersten Liga – und zwar bei den Männern wie bei den Frauen.Wer die beste Mannschaft Schwedens einmal im Urlaub live erleben möchte, kann Tickets für das zentral gelegene Swedbank Stadion schon vorab online bestellen. Ab 140 SEK; es gibt spezielle, besonders günstige Tickets für Familien und Jugendliche. Gegeneinander gespielt haben MFF und FCB übrigens nur zweimal, hat Nils herausgefunden – in der Champions League-Saison 1975/76. Bilanz: unentschieden 1:1.

Ein anderes Unentschieden zwischen Deutschland und Schweden bleibt bis heute im kollektiven Gedächtnis: die „Blamage von Berlin“.WM-Qualifikation 2012, Olympiastadion. Klose, Klose, Mertesacker, Özil – nach einer Stunde Traumfußball führt das deutsche Nationalteam mit 4:0. Dann kommt Zlatan Ibrahimovic. Der Superstar aus Malmö schießt in der 62. Minute das 4:1, der Dammbruch. Nach 93 Minuten steht es 4:4. Schweden feiert das Remis wie einen Kantersieg. Ibrahimovic hat den Gegner wieder einmal „zlataniert“, jubeln sie. Es ist ein neuer Begriff im schwedischen Wortschatz, belehrt mich Nils: er bedeutet soviel wie „dominieren, niederringen“.

Das Fiasko für die deutsche Zauberelf ist bis heute eines der meistdiskutierten Spiele überhaupt und hat dazu geführt, dass jeder, der sich hierzulande auch nur ein bisschen für Fußball interessiert, seither den Namen Ibrahimovic kennt. Und meist noch ein paar Anekdoten dazu. Seine Aufsteiger-Geschichte aus Flüchtlingselend zum bestbezahlten Fußballprofi der Welt. Seine Arroganz, mit der er Gegner verhöhnt („Was der am Ball kann, kann ich mit einer Orange“). Aber auch, dass er nie vergessen hat, wo er herkommt: Zahlreiche Fußballplätze in und um Malmö ließ „Zlatan der Erste“ bauen und finanziert ihren Unterhalt.

Zlatan und Malmö – eine verrückte Geschichte. Wer sie sich erzählen lassen will – wie er die Fahrräder seiner Freunde und Lehrer klaute, um nach dem Training nachhause zu kommen, wie er Mitspieler kopfüber in eine Mülltonne steckte, wie er einmal die ganze Stadt zum Public Viewing einlud … – fährt am besten mit dem Bus 33 in den Stadtteil Rosengård. Einst eine No-Go-Area wie die Bronx in New York, findet man heute in den Mokka-Cafés und Falafel-Shops des Multikulti-Viertels Ibrahimovic-Experten und -Epigonen aller Altersgruppen. Hier wuchs Zlatan auf, lernte beim FBK Balkan das Kicken, bevor er zum großen MalmöFF wechselte, und von dort zu Ajax, Juve, Inter, Barca und schließlich zu Paris St. Germain, wo er viermal hintereinander französischer Meister und dreimal in Folge Pokalsieger wurde. Damit ist jetzt allerdings Schluss, weiß mein Jüngster. „Super-Zlatan hat im Mai beim PSG gekündigt.“

Von Rosengård zur Uferpromenade: Auf Ibrahimovics Spuren hat Nils am anderen Ende Malmös die pompöse Strandvilla entdeckt, die sich der Fußballgott aus kleinen Verhältnissen an die feine Adresse Limhamnsvägen zimmern ließ. Das neubarocke 13-Zimmer-Anwesen war märchenhaft rosa gestrichen, wie ein Anwohner auf Facebook erzählt, den Nils sofort seinem Freundeskreis hinzugefügt hat. Weil die Bonbon-Farbe indes wohl nicht recht zur schwedischen Bescheidenheit passt, übermalten die späteren Bewohner die neureiche Schrillheit mit dezentem Meergrau. Ein Magnet für Zlatan-Pilger bleibt die Villa auch so. Und ein Symbol für Luxus. Heute nutzt eine Stretch-Limousinen-Firma die (nach dem Turning Torso) zweitberühmteste Immobilie Malmös für ihre Werbung, siehe Foto.

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Per Stretch-Limo würde sich Nils am liebsten weiter nach Stockholm chauffieren lassen. Auf dem Weg in den Norden des Landes kommt man am drittgrößten See Schwedens vorbei, dem Mälaren. Hier besitzt der Ballzauberer Ibrakadabra eine drei Millionen Euro teure Privatinsel mit 500 Hektar Jagdgebiet. Eine Autostunde entfernt, im nahen Stockholm, kann man die Fußball-Reise durch Schweden stilsicher ausklingen lassen: bei einem Besuch im Restaurant „Society“ an der Grev Turegatan in Östermalm. Hier logierte bis 2013 das legendäre „Undici“ des Star-Nationalspielers und Zlatan-Vorgänger Tomas Brolin. Der Name des Restaurants leitet sich vom italienischen Wort für „11“ ab, was sowohl die Kardinalzahl des Fußballs überhaupt ist als auch eine Anspielung auf Brolins Trikotnummer in seiner Glanzzeit beim AC Parma.

Nils will, dass ich ihm eine „11“ auf sein Lieblings-T-Shirt nähe. Für den Gothia-Cup im Sommer. Die Idee gefällt mir. Ehrgeiz hat noch keinem Kind geschadet. Und vielleicht wird ja noch ein Superstar aus ihm, mit rosafarbener Villa am Meer. Ein Platz am Pool wäre dann für Mama reserviert.

Was sind Eure schwedischen Fußball-Momente? Erinnerungen, Anekdoten, Helden- und Fangeschichten könnt Ihr hier in der Kommentarspalte erzählen.

Grußformel Petra Pan

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